Bis in die Steinzeit und zurück

„In die Steinzeit und zurück“ ist eine typische Phrase von meinem Schwiegervater. Heute möchte ich diese einmal benutzen und zwar an meinen Mann gerichtet, z.B.

„Ich liebe Dich bis in die Steinzeit und zurück“ – unser Tag im Paläon Schöningen

Ich habe in meinen Posts über Madame Tussaud’s und den Filmpark Babelsberg ja bereits über unseren Ausflug nach Berlin erzählt. Auf dem Weg zurück landeten wir zunächst auf Karls Erlebnishof in Elstal. Ich setze hier bewusst keinen Link. Lange Story kurz: wir fanden es alle ziemlich öde. Vielleicht ist es so bekannt und beliebt weil es alle Klischees vom Landleben erfüllt die man in Kundenmagazinen in Großstädten so findet. Eigentlich ist es ein Freizeitpark um eine Verkaufsstelle deutscher Erdbeeren. Und Freizeitpark klingt irgendwie größer als es ist.

Im Grunde ist es eine Markthalle umgeben von 4-5 Restaurants mit großem Spielplatz. So dachten wir, die Kinder könnten ein wenig toben während wir gemütlich bei einer oder zwei Tassen Kaffee relaxen. Einige der angebotenen Attraktionen kosten ein wenig Geld, das meiste sollte aber kostenlos sein. Leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass Schatten eine dieser kostenpflichtigen Attraktionen war. Alle kostenlosen Spielmöglichkeiten waren in der prallen Sonne.

So entschieden wir uns, nur in der Markthalle zu frühstücken. Aber das wurde teurer als gedacht, denn so gut wie nichts auf dem Buffet war mit Preisschildern bestückt noch wurde auf Angebote hingewiesen. Eine Tasse Kaffee kostete so viel wie bei Starbucks. Kostenlos obendrauf ein Kommentar der Kassierin, wir hätten ganz schön zugeschlagen und leider die falschen Brötchen für das günstige Frühstücksmenü genommen. Der Rest der Markthalle ist ein Mix aus Kitsch und Kommerz getarnt als Kunsthandwerk. Mir als Fachfrau blutete das Herz.

stone ages

So, was tun mit dem Rest vom Tag?

Wenn wir nach Berlin fahren, kommen wir auf der Autobahn immer an einem Schild mit dem Hinweis auf das Paläon in Schöningen vorbei. Da unser Sohn total fasziniert ist von prähistorischen Dingen, fuhren wir dorthin. Zwischen 1994 und 1998 wurden hier in archäologischen Grabungen gut erhaltene Speere gefunden. Diese sind mit 300.000 Jahren die ältesten erhaltenen Jagdwaffen und gaben neue Aufschlüsse über das Leben der Homo Heidelbergensis. Zusätzlich wurden Fossilien von Wildpferden gefunden.

Wart Ihr schonmal mit 3 Jungs im Museum? Na gut, 2 Jungs und ein Ehemann, aber manchmal benehmen sich die Großen ja kindischer. Mein Mann mag so dröge Museumsbesuche gar nicht. Unser 2 Jähriger kann sich auch spannenderes vorstellen als in der Karre zu sitzen. Ich musste also harte Überzeugungsarbeit leisten. Als wir ankamen, sahen wir vor dem Museum ein Camp mit Steinzeitzelten.

Nach dem Kauf einer Familienkarte für schmales Geld bekamen wir den Tipp gleich wieder ins Camp zu gehen, um eine besondere Führung zu genießen. Und diese änderte die Meinung meines Mannes über langweilige Museen völlig. Im Sommercamp könnt ihr ausprobieren, wie es sich in der Steinzeit so gelebt hat.

Wurfhölzer schnitzen

Als erstes beginnt man, Jagdwaffen aus Holz zu schnitzen – mit einem Stück Feuerstein. Wir sollten ein Wurfholz anfertigen. Dafür muss man von einem Ast die Rinde entfernen und beide Enden anspitzen. Während mein großer Sohn und ich weniger erfolgreich waren, brachte mein Mann innerhalb von 15-20 Minuten ein passables Wurfholz zustande. Die gefertigten Waffen werden dann sofort ausprobiert. Statt Kaninchen erst einmal an unbeweglichen Holzscheiten. Hierbei stellte sich heraus, mein Mann kann zwar Waffen in Rekordzeit schnitzen, aber ich hatte mehr Jagdglück. Habe ich erwähnt, dass ich vegan lebe? Ich fragte mich die ganze Zeit, wieso zum Teufel nicht den Ast nehmen und irgendeine Knolle ausbuddeln?

Nächste Station ist eine Piste mit unterschiedlichen Bodenarten. Auf dieser soll man dann das Anpirschen probieren. Hier war unser Sohn der Sieger. Kunststück, immerhin üben die Kinder das jeden Sonntag morgen in unserem Schlafzimmer. Danach kommt die Benutzung von Speerschleudern. Wider Erwarten war ich hier wieder ein Naturtalent – wieso gab es so etwas bitte nie bei den Bundesjugendspielen? Im Bogenschießen waren wir alle gleich auf. Zudem machte es uns soviel Spaß, dass wir überlegen, diesen Sport als Familie häufiger zu betreiben in Zukunft.

Wir wären damals das perfekte Team gewesen

Aber nach der Jagd muss die Beute gekocht werden. So werden dann im letzten Zelt die verschiedenen Arten Feuer zu machen vorgestellt und ausprobiert. Und wieder benutze mein Mann Feuerstein und Zunder als hätte er es schon mehrmals gemacht. Verdammt, Männer die kochen sind sexy – und damals waren sie es bestimmt noch viel mehr. Die wichtigste Lektion des Tages war wohl, wir sind nicht nur heute ein gutes Team, wir wären es auch damals gewesen. Zumindest hätten wir gemeinsam damals überleben können.

Im Anschluss besuchten wir die Austellung. Auch drinnen gibt es viele Mitmachstationen zum Ausprobieren und Anfassen. Alles in allem können wir das Paläon einfach nur empfehlen, wenn Ihr in Schöningen seid. Aber kommt am Besten im Sommer, wenn das Camp offen ist.

Wart Ihr schonmal im Paläon? Oder kennt Ihr andere Museen, die Geschichte zum Anfassen präsentieren? Ich freue mich auf Eure Erfahrungen in den Kommentaren.

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