Warum Männer jetzt Röcke tragen sollten

und Frauen das akzeptieren sollten

Maenner Roecke
Photo by Matheus Ferrero on Unsplash

Dieser Titel klingt ein wenig extrem – normalerweise will ich niemand vorschreiben, was er oder sie tragen soll. Aber letzte Woche habe ich ein Foto einer Männerkollektion mit Minröcken und High Heels auf meiner Blog Fanpage und privaten Facebookseite gepostet. Und dafür sehr lustige Kommentare geerntet. Daher dachte ich, ich schreibe mal ein wenig mehr darüber, warum ich dieses Foto für mich so inspirierend war. So kam ich zu der Frage, ob es Zeit für Männer ist, auch mal Röcke zu tragen. Und Frauen das auch akzeptieren sollten.

Um eins klarzustellen – ich rede nicht über Kilts, das meiner Meinung nach „männlichste“ Kleidungsstück. Kurze Hosen sollte ein Mann zum ersten Date mit mir daher nicht tragen, wenn er denn Eindruck schinden will. Dies ist aber persönlicher Geschmack. Wir reden also über Röcke (Mini, Midi, Maxi) wie Frauen sie sonst tragen. Stein des Anstoßes für Diskussionen war ein Bild mit fünf Outfits der Frühlingskollektion 2018 für Männer von Thom Browne. Der erste Kommentar einer Bekannten lautete „Lächerlich“.  Kilts seien ja ok, aber Miniröcke und dann noch mit hohen Schuhen? Ein Mann im Rock – wie unmännlich!

Aber wieso löst ein solches Bild diese Reaktionen aus? Vielleicht interpretiere ich mehr hinein, da ich ausgebildete Modedesignerin bin. Ich versuchte also zu erklären, wieso ich dieses Bild inspirierend finde. Offensichtlich nicht sehr verständlich, denn der nächste Kommentar eines ehemaligen Kollegen war „Bullshit“.  So versuche ich es jetzt noch einmal. Ich teilte diese Outfits nicht, weil mein Mann oder ein anderer sie bitte morgen genau so tragen soll. Vorrangig teilte ich das Bild, um eben diese Reaktionen zu provozieren.

Nur Klamotte – oder „machen Kleider Leute“?

Für die meisten Menschen ist Mode nur Kleidung. Aber jedes Stück startet als Idee und besonders Haute Couture ist meist mehr textile Kunst als tragbare Mode. Und gute Kunst hält nunmal der Gesellschaft den Spiegel vor. Ich habe Glück, in einer Gesellschaft zu leben, in der Mann und Frau vor dem Gesetz gleich sind – zumindest in der Theorie.

In meinem gesamten Leben wurde ich nie von etwas abgehalten, nur weil ich eine Frau bin. Obwohl ich Mutter von zwei großartigen Söhnen bin, gehe ich Vollzeit arbeiten. Dank meiner guten Ausbildung ist mein Gehalt mehr als die Hälfte unseres Haushaltseinkommens. Mein Mann arbeitet ebenfalls Vollzeit, was möglich ist durch eine gute Infrastruktur und Großeltern in der Nähe. Mein Nachname ist unser Familienname. Hinter eine starken Frau steht ein starker Mann.

Obwohl wir glücklich sind mit der sehr gleichberechtigten Rollenverteilung in unserer Famile konfrontieren uns die Menschen um uns immer wieder mit antiquierten Rollenbildern. Ein bißchen Sticheln hier, weil mein Mann meinen Namen angenommen hat. Mütter die mir kopfschüttelnd sagen, ich hätte doch die ersten drei Jahre zu Hause bleiben müssen nach Geburt. Und wisst ihr was – wir sind erwachsen, wir überhören das einfach. Jedoch als Mutter von zwei Söhnen finde ich es schade, dass es auch unsere Kinder betrifft.

Vor ein paar Jahren hat mein Sohn sich „Ausversehen“ mal die Nägel lackiert. Ich fand das ziemlich süß und beeindruckend, dass er mir nacheiferte. Mein Mann hatte jedoch Sorge, was wäre, wenn ein Kind in der Schule das Spitz bekommt. Und ich kann nicht umhin zu gestehen, dass ich diesen Gedanken auch im Hinterkopf hatte. Und seitdem denke ich, irgendwie sind wir doch im Prozess der Emanzipation stecken geblieben.

Wo ist denn die Gleichberechtigung für die Männer, die anders möchten?

Wir können nicht die Frauen emanzipieren und für die Männer bleibt alles wie gehabt. Und dann kommt dazu, dass wir Frauen mal aufhören sollten, uns gegenseitig Steine in den Weg zu legen! Gleichberechtigung sollte heißen, jeder lebt das Leben, das er leben möchte, unabhängig vom biologischen Geschlecht. Wenn eine Mutter zu Hause beim Kind bleiben möchte, dann soll sie. Aber wenn sie arbeiten möchte, ist das auch in Ordnung. Beide Wege haben ihre Schwierigkeiten und anstatt das wir Frauen uns unterstützen hacken wir uns gegenseitig die Augen aus wie die Krähen.

Und nicht zu vergessen, die Männer. In jedem Vorstellungsgespräche höre ich, wo denn meine Kinder wären, wenn ich arbeite. Während mein Mann bisher nicht ein einziges Mal gefragt wurde. Zudem hat er schon einmal einen Job verloren, weil er nach Hause musste zu einem Zweijährigen mit Verdacht auf Windpocken. Wo ist denn da bitte die Gleichberechtigung? Mein Mann hat in den letzten 8 Jahren nicht einen Arbeitgeber gehabt, der Verständnis dafür hatte, dass im Krankheitsfall der Kinder eben der Mann zu Hause bleibt. „Haben Sie denn keine Frau?“

Warum sind denn Frauen in Hosen ok und Männer in Röcken „unmännlich“?

Trotz meines unterschwelligen Neids auf die Einfachheit der Businessmode für Männer bin ich froh eine Frau zu sein. Freie Wahl zwischen Rock und Hose. Ebenso kann ich mir überlegen, in Sneakers rumzuhüpfen oder mir in sexy High Heel die Haxen zu brechen. Genau diese Freiheit wünsche ich
mir auch in Zukunft für meine Söhne. Zu sein, wer sie sind und das auch durch Styling und Mode auszudrücken, wenn sie es denn wollen. Wenn mein Sohn Rock tragen möchte, dann soll er das doch bitte tun ohne das jemand Dinge wie „lächerlich“ oder „Bullshit“ sagt. Oder ihn „unmännlich“ oder schlimmeres nennt. Meiner Meinung nach hat sowieso jede aktive und passive Wesenszüge, die meist als männlich oder weiblich interpretiert werden. Jeder sollte das Recht haben, sich frei auszudrücken.

Ich glaube ja nicht, dass meine Freunde jemandem etwas Böses wollten mit den Kommentaren. Aber es zeigt,wir haben noch einen weite Weg bis zur völligen Gleichberechtigung. Ich habe einige Bilder auf einem Pinterestboard zusammengestellt. Was denkt Ihr über die Outfits? Könntet Ihr Euch an den Anblick von Männer in Röcken gewöhnen? Hinterlasst mir gern einen Kommentar.

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23 Kommentare auf "Warum Männer jetzt Röcke tragen sollten"

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Jutta Richter
Gast
Ich glaube, es liegt einfach daran, dass der Anblick von Männern in Röcken sehr ungewohnt ist. Wie jeder Wandel, wird das irgendwann niemanden mehr interessieren. Dass Highheels an Männern sexy aussehen, haben die Jungs von Kazaky in ihren Dance Videos bereits bewiesen. Ich finde Deinen Beitrag sehr gut geschrieben. Ich hoffe, irgendwann ist die Emanzipation so weit, dass man darüber nicht mehr sprechen muss. Vielleicht braucht es da noch 2-3 Generationen. In den 60ern musste ein Mann seiner Frau das Arbeiten erst erlauben. Heute würde jede Frau auf so eine Ansicht pfeifen. Also hoffen wir das Beste. Gut, dass Du… Read more »
Маша
Mitglied

In den 60ern trugen Männer Absätze und High-Heels. Nur ist die Welle schnell wieder abgeebt. Vielleicht weil es die heutigen Frauen an ihren Freunden nicht mehr mochten.

Ralph
Gast

Ich gebe Dir zu 100% Recht, es wird noch lange dauern – besonders wenn man Röcke an Männern nur auf Laufstegen und nicht im realen Leben sieht.
Die Röcke sind aber bestenfalls eine Randerscheinung eines für Männer nicht oder nur sehr langsam stattfindenden Wandels. Hier liegt das eigentliche Problem.
Denke ich an meine Großmutter, hat sich zu ihren Lebzeiten Kleidung und gesellschaftliche Rolle extrem gewandelt, als Kind war eine Hose undenkbar für sie, als alte Frau trug sie überwiegend Hosen.
Bei Männern denkt man über mehrere Generationen nach?!

Маша
Gast

Das Hauptproblem dürfte sein, dass die meisten Männerröcke auf hässlich gegendert werden, damit Frauenkleidung daneben um so schöner aussieht. Und hässliche Sachen sprechen selbst kaum Männer an.

Alicja Parks
Gast
Das, was da aufkommt, ist das, was in den USA mit dem Terminus „Toxic Masculinity“ belegt wurde, übersetzt also „giftige Männlichkeit“ quasi. Das sind die gesellschaftlichen Konzepte von „Männlichkeit“, die schädlich sind oder sein können, wie die Erwartung, dass Männer nur dann „richtig Mann“ sind, wenn sie eben „männliche“ Kleidung tragen. Eine sehr wichtige und auch sehr in alle Lebensbereiche gehende Sache, mit der sich der moderne, inklusive Feminismus mittlerweile ebenfalls sehr intensiv beschäftigt. Wir ziehen die Kinder hier frei von diesen gesellschaftlichen Geschlechterrollen auf, zumindest, soweit sie uns bewusst sind und soweit das möglich ist. Ich hoffe, dass sie… Read more »
Маша
Mitglied
Hallo liebe Sabrina, vielen Dank für die Zusammenstellung auf Pinterest. Ich habe deinen Artikel aufmerksam und mit Freude gelesen und dein Pinboard in meinem Forum eingebettet, falls es dir nichts ausmacht. http://rockforum.bplaced.net/index.php?action=pinboard http://rockforum.bplaced.net Ich trage selber Röcke und Kleider für mein Leben gern, obwohl ich anatomisch männlich bin und auch, abgesehen von der eingeschränkten Mode für Herren und Jungen gerne männlich bin. Darum habe ich das Forum gegründet, um diese Grabenkämpfe kleiner zu machen, da es auch immer wieder unter Männerrockern zu Streitereien und Glaubenskriegen über Röcke und Männer kommt. Vielleicht hast du ja Lust, dich in meinem Forum zu… Read more »
Manfred
Gast

Hallo,
als neues Mitglied hier wie auch schon seit Jahren bei rockmode.de und vor allem als Rockträger bin ich begeistert, wenn der Rock am Mann mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Es ist so angenehm und luftig, einen Rock statt das Stoffgewussel einer Hose zu tragen, erst recht, wenn es warm ist.
Wie ein Gleichgesinnter bei rockmode.de so treffend schreibt: Ein Mann ist ein Mann, ein Rock ist ein Rock, ein Mann im Rock ist ein Mann im Rock! Besser kann man es nicht ausdrücken.
LG Manfred

Markus
Gast

Hallo und danke für den Post. Ich trage schon längere Zeit Kilts, Sarongs und Röcke aller Art. Oder auch mal ein Kleid. Ich fühle mich dabei weder unmännlich, noch bin ich es. Ich werde zwar manchmal als „etwas exzentrisch“ wahrgenommen, hatte bisher aber nur positive Erfahrungen mit meinen „modischen Eskapaden“. Auf Wunsch Vieler habe ich neulich erst damit angefangen, mal ein paar Fotos online zu stellen …

Ralf
Gast

rock-er.de
rockmode.de

Walther H.
Gast
Ich trage schon seit über 15 Jahren Röcke und Hosen. Bei den Röcken schaue ich einfach, dass sie nicht allzu „weiblich“ aussehen, also: Jeansröcke, Faltenröcke, kiltähnliche Röcke. In der Öffentlichkeit habe ich bis jetzt überhaupt keine grossen Probleme gehabt. Im Gegenteil, ich bekomme häufig Komplimente vor allem von Frauen aber auch von Männern. Meine bereits erwachsenen zwei Kinder haben überhaupt kein Problem damit und meine Exfrau sah mich sogar lieber in Röcken als in Hosen. Ein Rock ist ein Kleidungsstück wie jedes andere auch, eben für beide Geschlechter. Besonders im Sommer ist der Rock sehr angenehm zu tragen. Siehe auch… Read more »
Holger Haehle
Gast
Röcke waren die erste echte Bekleidung des frühen Menschen. Sie wurden sehr lange von Männern und Frauen getragen. Das Breeching (Hosenreife) für Jings war in Europa bis ins 20. Jahrhundert verbreitet. Von Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky existieren Bilder, auf denen sie als kleine Buben Kleider trugen. Es ist schon verwunderlich, warum sich die Rollenzuweisungen so sehr verschoben haben. Eigentlich können Kleider sehr praktisch sein. Das habe ich auf dem Sinai erlebt, als unsere Reisegruppe ein Beduinendorf besucht hat und alle eine traditionelle Dschallabija trugen. Danach viel es mir schwer trotz der Wüstenhitze wieder meine duchschwitzten an den Beinen klebenden… Read more »
Bonfreund
Gast
Hallo, auch ich als Mann trage fast ausschließlich Röcke, Kleider, Leggins – in der Freizeit, auch zum Einkaufen im Ort, in der Stadt. Natürlich auch zu Märkten, Flohmarkt und so weiter. Langschäfter im Winter, Stiefeletten im Herbst. Hab eigentlich nur noch Sachen aus der Damenabteilung an. Ausser der Unterwäsche. Blicke ernte ich, weil ich „anders“ aussehe. Die Kombinationen stimme ich mit meiner Frau ab. Einige Sachen tragen wir im Partnerlook, soweit sie anatomisch gut sitzen. Dann werden wir sogar beide angestarrt. Aber: immer öfter schreibt auch die Örtliche Walsroder Zeitung Artikel über Männer in Röcken, aufhebung der Geschlechtergrenzen… Ich fühle… Read more »
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